Zeitreise in die 90er: Sieg beim Oberschwabencup

Als Wacker im emotionalen Stadtderby gegen den FV triumphierte

(wh) - Im 17. Teil unserer Zeitreise drehen wir das Rad in die 90er-Jahre zurück, erneut zum Hallenfußball, als sich die Wackeraner in der Biberacher BSZ-Halle vor großer Kulisse im Januar 1997 den selbst ausgerichteten Oberschwabencup holten. Im Endspiel dieses Bewerbes, zu dem sich alljährlich die besten Hallenteams aus den Kreisen Biberach, Ravensburg, Sigmaringen und aus dem Bodenseekreis versammelten, fegten sie Oberligist FV Biberach mit 4:1 vom Parkett. Entsprechend groß war der Jubel bei Interims-Trainer Richard Zell (li. im oberen Bild), bei den Torjägern Uwe Reh, Holger Weiss (im unteren Bild) und ihren Mitstreitern Volker Wussler, Zijad Varosic, Marc Kohlhöfer, Bogdan Nowak, Nedjad Rulani und Ernst Aßfalg, der zum besten Turnierspieler gewählt wurde.
 
Die Schwäbische Zeitung berichtete seinerzeit wie folgt über den Wacker-Triumph:

Bei der 9. Auflage dieses Turniers besiegte der gastgebende Landesliga-Spitzenreiter FC Wacker den Stadtrivalen FV Biberach mit 4:1. 600 Zuchauer sahen einen heißumkämpften, emotionsgeladenen Schlagabtausch zweier offensiver Mannschaften, der von umstrittenen Spielszenen geprägt war, in Wacker aber einen verdienten Sieger fand.

"Trainer Richard Zell hat uns vor dem Finale so heiß gemacht und motiviert - wir mussten einfach gewinnen", kommentierte Wackers Holger Weiss den Prestigerfolg gegen den Stadtrivalen. Schon in der Vorrunde wurde klar, dass der Sieg nur über die Gastgeber führen konnte. Mit 17:3 Toren und 12 Punkten schlossen sie ab, im kleinen Stadtduell gegen den FV Biberach III siegte Wacker mit 5:1.

Auch die Endrunde war dann kein Stolperstein für Biberach, das alle drei Spiele gewann. Im folgenden Viertelfinale bezwang der FCW den SC Göggingen mit 5:1. Ähnlich trumpften die Wackeraner im Halbfinale auf, als sie den SV Ingerkingen mit 5:2 abfertigten. Gleich vier Tore gelangen dabei dabei Volker Wussler, der nach dem verlorenen Heyking-Cup wagemutig den Titelgewinn beim Oberschwabencup angekündigt hatte. Und er sollte recht behalten.

Das hochklassige, für viel Diskussionsstoff sorgende Traumfinale endete mit einem 4:1-Triumph des zwei Klassen niedriger spielenden Underdogs FC Wacker gegen den Favoriten FV Biberach

Vor allem zwei Entscheidungen des Verbandsliga-Schiedsrichters Klaus Wedel aus Bad Buchau erhitzten so manches Gemüt. Beim Stande von 1:1 nach früher FV-Führung durch Oliver Merkel und dem Ausgleich von Weiss wehrte Wacker-Torhüter Marc Kohlhöfer einen Schuss Merkels außerhalb des Strafraumes ab - per Hand. Eine 2-Minuten-Zeitstrafe blieb trotz FV-Protesten aus.

Nachdem - der im gesamten Turnier überragende - Ernst Aßfalg zum 2:1 für Wacker traf, glich die BSZ-Halle einen Tollhaus. Dramatische Szenen vor beiden Toren sorgten für Spannung. Der FV Biberach öffnete die Abwehr, spielte nun - wie Wacker im gesamten Turnier - mit offensivem Torwart. Dabei verlor Ralf Hermanutz durch eine harte Grätsche von Bogdan Nowak den Ball und verletzte sich dabei schwer (Verdacht auf Bänder- und Kapselriss). Weiss und Aßfalg sorgten mit zwei Hebern für den 4:1-Endstand.

Während der Einsatz von Nowak - dieser entschuldigte sich hinterher bei Hermanutz - von den Wackeranern als "hart, aber fair" eingestuft wurde, "hätten wir uns über eine 2-Minuten-Strafe für Kohlhöfer nicht beklagen können", gaben sie hernach zu. Trotzdem: Wacker war dem FV in der Bereitschaft zum Kampf überlegen und spielte während des ganzen Turniers auch technisch versierten Fußball und gewann das hervorragend organisierte Turnier verdient.

TURNIER-SPLITTER

* "Sportler rauchen nicht", ist eine weitverbreitete Meinung. Weil es aber einige doch tun, konnte man Holger Weiss, Volker Wussler und Co. vor der Halle in bester Mario-Basler-Manier beobachten. Nur die Spieler des FV Biberach taten sich hier schwerer: Jeder öffentliche Raucher zahlt dort 50 Mark in die Mannschaftskasse. Aus diesem Grund sah man einige FV-Recken regelmäßig in der angrenzenden Tiefgarage verschwinden.

* Ausgelassse Stimmung herrschte nach dem Turnier im "W1", dem Wacker-Vereinsheim. Nicht nur der glückliche Gastgeber feierte hier seinen Erfolg, sondern auch Damen-Sieger Eintracht Seekirch. Die Seekicherinnen erlaubten sich beim nächtlichen Nachhausegehen einen Scherz und nahmen den von den Wacker-Herren gewonnenen Pokal mit. Der musste dann in den folgenden Tagen von den Wackeranern wieder "ausgelöst" werden, mittels Übergabe von Kaltgetränken.

* Zum besten Spieler des Turniers wurde Ernst Aßfalg gewählt: Neun Tore schoss der junge Wackeraner, bereitete einige der insgesamt 40 Biberacher Tore vor und zeigte auch durch technische Kabinettstückchen sein Können.

* "Wir werden den Verein nicht im Regen stehen lassen", sagte Biberachs Oberbürgermeister Thomas Fettback zur kritischen finanziellen Situation des Landesliga-Spitzenreiters, dessen sportlicher Zustand im Moment sicher alles überragt. Der Sieg gegen den Erzrivalen war zugleich ein großer und glanzvoller Abschied Richard Zells, der nach der Entlassung von Trainer Edgar Hess interimsweise eingesprungen war und von dieser Woche an von Franz-Josef Toth abgelöst wird.

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